Unser Hainbad

Flussbad in Bamberg in Nöten

Hainbadfreunde lieben Wasser, Sonne und Wind - II

Wenn wir jetzt unsere Potenziale beim Ausbau der Erneuerbaren Energien, der Kraft-Wärme-Kopplung und der Energieeffizienz nutzen, brauchen wir weder Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke noch neue Kohlekraftwerke. Auch für die Klimaschutzziele gilt: Diese „Brücken“ passen da nicht rein. Es ist eher kontraproduktiv, sich auf Ausbau und Erhalt des klassischen Großkraftwerksparks zu konzentrieren.

Liebe Hainbadfreunde,

der letzte Hainbad-Rundbrief mit dem Hinweis, dass sich der Betreiber unseres Hainbads am geplanten Kohlekraftwerk in Brunsbüttel beteiligt, hat doch für erheblichen Wirbel gesorgt: Wir Regnitzschwimmer sind ja bekannt (und beliebt) dafür, dass wir Dingen gerne auf den Grund gehen/tauchen und dafür auch mal als unbequem bezeichnet werden.

Viele Gespräche sind seitdem geführt, zahlreiche Bekenntnisse von Seiten der Stadtwerke geäußert worden. Doch haken wir mal nach:

Bekenntnis 1:Die Stadtwerke setzen auf Energieeffizienz und eine regenerative Energieversorgung. Bereits heute beträgt der Anteil an regenerativen Energieträgern im Strommix der Stadtwerke 29%.“

Nachhaken 1: 29% — was heißt das? Ist das viel? Tatsächlich ist der Anteil der regenerativen höher als im Bundesdurchschnitt, der nur bei 15% liegt. DOCH viele Kollegen – selbst in Bayern – sind weiter: Regensburg 42% und Ansbach 34,5%, Ingolstadt 32% und Erlangen 31%. DA ist noch reichlich Platz nach oben!

Bekenntnis 2: „Noch in diesem Winter soll ein Klimagas-Produkt angeboten werden.“

Nachhaken 2: Was ist das – ein “Klimagas-Produkt”? Klingt ja erst mal ganz verheißungsvoll — DOCH es ist kein Bio-Erdgasprodukt oder eine Bio-Erdgasbeimischung,sondern die Stadtwerke wollen in der Höhe, wie sie dieses “Klimagas-Produkt” verkaufen, CO2-Zertifikate erwerben. Also weiter in die moderne Form des Ablasshandels einsteigen!

Der Zertifikatehandel ist äußerst umstritten, weil zum Teil vehement betrogen wird. Außerdem initiiert der Kauf von Zertifikaten nicht die Produktion von Biogas, was z.B. im Landkreis Bamberg gut möglich wäre. NUR der Verkauf von Bio-Erdgas oder dessen Beimischung führt dazu, dass Produktionsstätten aufgebaut werden. Dabei hätten die Stadtwerke die Möglichkeit, ein echtes Bio-Gas-Produkt zu beziehen.

Bekenntnis 3:Die Stadtwerke Bamberg sehen sich als einen der wesentlichen Treiber bei der Umsetzung der Klimaschutzziele der Stadt und des Landkreises Bambergs (100% regenerative Energieversorgung bis zum Jahr 2035).“

Nachhaken 3: 100% bis 2035? In 25 Jahren? Dann rechnen wir doch mal: Laut einer Zielvereinbarung innerhalb der Stadtwerke soll pro Jahr 1 MW Leistung in erneuerbare Energie investiert werden. Insgesamt braucht die Stadt 100 MW, folglich bräuchte man bei diesem Schneckentempo 100 Jahre. Ein “wesentlicher Treiber” könnte sich dann doch mal sputen…. Außerdem möge man erklären, wie man in 25 Jahren dort sein will, wo man rechnerisch erst in 100 Jahren sein kann. Wenn das so weiter geht, braucht es die Hainbadfreunde als Schubser!

Bekenntnis 4:Photovoltaik und Windkraft gehören schon heute ins Erzeugungsportfolio der Stadtwerke.“

Nachhaken 4: Das stimmt! — ABER unserer Kenntnis nach - was die Sonnenenergie betrifft - erst zu 0,3%! Wir Hainbadfreunde können versichern, dass die Sonne DER Energiespender schlechthin ist.

Bekenntnis 5:Die Stadtwerke Bamberg sind am oberpfälzischen Windpark Zieger beteiligt, der ab dem kommenden Jahr Strom für umgerechnet rund 8.000 Haushalte liefern wird.“

Nachhaken 5: Das ist richtig. Nur liegt die Beteiligung der Bamberger Stadtwerke bei schlappen 5% — lediglich 400 Bamberger Haushalte können in den Genuss dieser Beteiligung kommen.

Bekenntnis 6: „Der Anteil, den die Stadtwerke am Kraftwerk Brunsbüttel planen, würde lediglich 2,5% des Gesamtstrombedarfs der Stadtwerke abdecken.“

Nachhaken 6: Auch nicht falsch — doch ist das immerhin 8x (!) mehr, als der Beitrag aus der Photovoltaik-Energie. Das geplante Kohlekraftwerk in Brunsbüttel wird mit über 10 Mio Tonnen CO2/Jahr das größte jemals in Deutschland gebaute sein. DAS widerspricht den eigenen Zielen. Ein “wesentlicher Treiber” in Sachen erneuerbarer Energien macht sich mit solch einer Beteiligung unglaubwürdig.

Bekenntnis 7:Der Bau des Kraftwerks in Brunsbüttel durch viele kleine Energieversorger würde die Unabhängigkeit von den vier großen Stromerzeugern erhöhen.“

Nachhaken 7: Grundsätzlich ist die Unabhängigkeit von den 4 großen Stromerzeugern (E.ON, Vattenvall, RWE, EnBW) unbedingt erstrebenswert. Aber könnten sich die vielen Kleinen, die sich da gefunden haben, nicht für wirklich Nützliches und Nachhaltiges einsetzen? Gemeinsam in erneuerbare Energien investieren – wie wäre es denn damit? Müssen die Kleinen den Quatsch der Großen nachmachen?

Wir Hainbadfreunde sagen: NEIN! Wir haben doch im vergangenen Jahr vorgemacht, dass viele Kleine was richtig Großes schaffen können!

Liebe Stadtwerke – nehmt Euch ein Beispiel an den Hainbadfreunden! Nutzt die Sonne, nutzt die Kraft des Wassers! Jeder Tropfen der Regnitz, der ungenutzt an den Unteren Mühlen vorbeifließt, ist ein Jammer. Dieses städtische Grundstück könnte seit Jahren Energie für seine Bürger liefern, auch wenn die oberirdische Bebauung nicht geklärt ist - ein kleiner Tipp der Hainbadfreunde!

Unsere Ahnen waren da klüger!

In diesem Sinn wünsche ich Euch allen eine besinnliche Adventszeit. DANKE an Peter Gack (GAL) für seine klugen Recherchen! Ohne Experten geht gar nix!

Eure Christiane

Wer noch ein sinniges Geschenk oder wirklich guten Lesestoff sucht, für den habe ich einen Tipp: Hermann Scheer: Der energethische (!) Imperativ. 100% jetzt: Wie der vollständige Wechsel zu erneuerbaren Energien zu realisieren ist. München 2010. Der Träger des alternativen Nobelpreises analysiert als profunder Kenner Energiekonzepte und eröffnet anhand von Schlüsselprojekten den Weg zur besseren Energieversorgung. Wer einen seiner (leider) letzten Vorträge hören und sehen möchte: Strategien für eine moderne Energieerzeugung

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